Mende, Erich
- Lebensdaten
- 1916 – 1998
- Geburtsort
- Groß-Strehlitz (Schlesien, heute Strzelce Opolskie, Polen)
- Sterbeort
- Bonn
- Beruf/Funktion
- Politiker ; Parlamentarier ; Bundesminister ; Wirtschaftsjurist ; Jurist
- Konfession
- römisch-katholisch
- Normdaten
- GND: 118580671 | OGND | VIAF: 102458731
- Namensvarianten
-
- Mende, Erich
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Mende, Erich
1916 – 1998
Politiker, Parlamentarier, Bundesminister, Wirtschaftsjurist
Erich Mende stieg in den 1950er Jahren zu einem der führenden Bundespolitiker der FDP auf. Er profilierte sich v. a. für verteidigungs- und deutschlandpolitische Themen sowie als Integrationsfigur zwischen den Parteiflügeln. Als Parteivorsitzender erzielte er 1961 einen großen Wahlerfolg. Von 1963 bis 1966 war er Bundesminister für Gesamtdeutsche Fragen, die anschließende deutschland- und ostpolitische Neuorientierung seiner Partei führte 1970 zu seinem Wechsel zur CDU.
Lebensdaten
Geboren am 28. Oktober 1916 in Groß-Strehlitz (Schlesien, heute Strzelce Opolskie, Polen) Gestorben am 6. Mai 1998 in Bonn Grabstätte Burgfriedhof in Bonn-Bad Godesberg Konfession römisch-katholisch -
Autor/in
→Jürgen Frölich (Bonn)
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Zitierweise
Frölich, Jürgen, „Mende, Erich“ in: NDB-online, veröffentlicht am 01.10.2024, URL: https://www.deutsche-biographie.de/118580671.html#dbocontent
Mende wuchs in einem katholisch-konservativen Milieu unter dem Eindruck der Volkstumskämpfe im deutsch-polnischen Grenzgebiet nach 1918 auf. Nach dem Abitur 1936 in Groß-Strehlitz (Schlesien, heute Strzelce Opolskie, Polen) entschied er sich während des Militärdiensts für die Offizierslaufbahn und leistete von 1939 bis 1945 Kriegsdienst v. a. an der Ostfront. Als Regimentsführer kam er 1945 in britische Gefangenschaft, aus der er in das Rheinland entlassen wurde. Von 1945 bis 1949 studierte er Rechts- und Politikwissenschaften an den Universitäten Köln und Bonn. Zur Jahreswende 1945/46 wurde Mende auf Initiative Friedrich Middelhauves (1896–1966) Mitglied der FDP und Landesgeschäftsführer des FDP-Verbands der Provinz Nordrhein sowie Mitglied und Landesvorsitzender der Deutschen Jungdemokraten, zeitweise arbeitete er als freier Journalist für liberale Zeitungen der britischen Zone. 1949 legte er das Erste juristische Staatsexamen ab und wurde 1950 an der Universität Köln bei Ernst von Hippel (1895–1984) zum Dr. iur. promoviert.
1949 in den Bundestag gewählt, stieg Mende im selben Jahr auf Landes- und Bundesebene in Führungsgremien der FDP auf. Anfänglich war er v. a. Sprecher für Fragen der Kriegsopfer einschließlich der noch inhaftierten Wehrmachtssoldaten, wandte sich dann verteidigungs- und deutschlandpolitischen Themen zu und hatte in den späten 1950er Jahren Anteil an den entsprechenden Vorstößen seiner Partei. Der Aktion der Düsseldorfer „Jungtürken“ um Walter Scheel (1919–2016) und Willi Weyer (1917–1987), der im Februar 1956 zum Koalitionswechsel in Nordrhein-Westfalen und dem Ende der Koalition mit der CDU in der Bundesregierung führte, stand Mende eher distanziert gegenüber, profitierte aber davon, indem er 1956 stellvertretender Bundesvorsitzender und 1957 Fraktionsvorsitzender im Bundestag wurde. Unter dem FDP-Vorsitzenden Reinhold Maier (1889–1971), der seinen süddeutschen Wirkungskreis selten verließ, wurde Mende zum Gesicht der Bundes-FDP und möglichen Nachfolger Maiers. Er stand für eine jüngere Generation, war keinem Partei-Flügel eindeutig zuzuordnen und deutschlandpolitisch aufgeschlossen für neue Wege; so führte er 1956 mit Scheel Gespräche mit der Liberal-Demokratischen Partei der DDR. Bei offiziellen Anlässen trug er seine Weltkriegsorden.
Im Januar 1960 wurde Mende zum Bundesvorsitzenden der FDP gewählt und führte 1961 einen erfolgreichen Bundeswahlkampf mithilfe der Popularität des Altbundespräsidenten Theodor Heuss (1884–1963) und der zugkräftigen Wahlparole, einen Generationswechsel in der Bundespolitik durch eine Koalition mit der CDU ohne einen Bundeskanzler Konrad Adenauer (1876–1967) einzuleiten. In den Koalitionsverhandlungen mit der CDU musste die FDP jedoch in zwei weitere Jahre Kanzlerschaft Adenauers einwilligen, was allgemein als „Umfallen“ gewertet und wofür v. a. Mende verantwortlich gemacht wurde, der erst nach dem Kanzlerwechsel zu Ludwig Erhard (1897–1977) in die Regierung eintrat und im Oktober 1963 das Ministerium für Gesamtdeutsche Fragen und die Vizekanzlerschaft übernahm.
Mende war seit dem Mauerbau 1961 bereit, deutschlandpolitisch neue Wege einzuschlagen, allerdings nur sehr behutsam: Als Minister setzte er, teils gegen den Willen des Koalitionspartners CDU, seit Ende 1963 Verbesserungen der innerdeutschen Reisemöglichkeiten für DDR-Rentner und sog. Passierschein-Abkommen für West-Berliner durch; auch begann bald ein regelmäßiger Freikauf von politischen Häftlingen aus DDR-Gefängnissen gegen umfangreiche Warenlieferungen. Mende vermied dabei jede Aufwertung oder öffentliche Anerkennung des SED-Regimes, verfolgte aber nach eigener Aussage „die innerdeutsche Annäherung durch eine Politik der kleinen Schritte“. 1962 unterstützte er ein parteiinternes Konzept des FDP-Pressereferenten Wolfgang Schollwer (1922–2021) für eine flexiblere Haltung gegenüber der DDR-Führung unter Aussetzung der Hallstein-Doktrin, distanzierte sich jedoch von dem Papier, als es öffentlich bekannt wurde. Trotz seines Bekenntnisses zur bürgerlichen Regierungskoalition konnte er schwerwiegende Konflikte mit den Koalitionspartnern CDU und insbesondere CSU nicht vermeiden, wobei es u. a. um Steuererhöhungen, den außenpolitischen Streit zwischen „Gaullisten“ und den von der FDP unterstützten „Atlantikern“ und eine Rückkehr von Franz-Josef Strauß (1915–1988) in das Kabinett ging.
Bei der Bundestagswahl 1965 erzielte die FDP unter Mendes Führung fast 10 %, verlor aber ein Viertel ihres bisherigen Wähleranteils. Das folgende zweite Kabinett Erhard war v. a. wegen CDU-interner Auseinandersetzungen instabil und wurde schließlich Ende Oktober 1966 durch den Rücktritt der vier FDP-Bundesminister beendet, nachdem der Streit zwischen den Koalitionspartnern über den Haushalt 1967 eskaliert war. Mende schlug in letzter Minute einen Kompromiss vor, dem aber seine Bundestagsfraktion nicht folgte. Mit der anschließenden Großen Koalition verlor Mende seinen Kabinettsposten und war von 1967 bis 1970 Deutschlandrepräsentant und Verwaltungsratspräsident einer US-amerikanischen Investmentfirma. Noch Parteivorsitzender, nahm der innerparteiliche Druck auf ihn wegen seines Widerstands gegen Änderungen in der Deutschland- und Ostpolitik, insbesondere gegen eine mögliche Anerkennung der Oder-Neiße-Grenze, zu, dem er schließlich 1968 mit dem Verzicht auf eine Wiederwahl als FDP-Vorsitzender nachgab. Der Wechsel zu Scheel an der Parteispitze wurde als Kurswechsel interpretiert, der dann den Weg zu einer von Mende abgelehnten Koalition mit der SPD freimachte. Nach Abschluss des Moskauer Vertrags mit der Sowjetunion und einer sich abzeichnenden ähnlichen Vereinbarung mit Polen wechselte Mende im Oktober 1970 mit seinem Bundestagsmandat zur CDU, für die er noch zweimal in Hessen in den Bundestag gewählt wurde, in der er aber politisch keine große Rolle mehr spielte.
1939 | Eisernes Kreuz II. Klasse |
1940 | Eisernes Kreuz I. Klasse |
1942 | Deutsches Kreuz in Gold |
1945 | Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes |
1967 | Großkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland |
1993 | Schlesierschild der Landsmannschaft Schlesien |
Nachlass:
Archiv des Liberalismus, Gummersbach, A 26, A 31, A 32.
Archiv für Christlich-Demokratische Politik, St. Augustin.
Weitere Archivmaterialien:
Bundesministerium für gesamtdeutsche/innerdeutsche Fragen, Bundesarchiv, Koblenz B 137, Unterlagen zu Haushaltsmitteln und Bemühungen um politische Häftlinge.
Gedruckte Quellen:
Fritz Fliszar, Regieren mit der FDP. Ein Gespräch mit Erich Mende, in: Wolfgang Mischnick (Hg.), Verantwortung für die Freiheit. 40 Jahre F.D.P., 1989, S. 125–155.
Reinhard Schiffers (Bearb.), FDP-Bundesvorstand. Die Liberalen unter dem Vorsitz von Erich Mende. Sitzungsprotokolle 1960–1967, 1993.
Bonn – Berlin – Moskau – Washington. Die Deutschlandpolitik der Liberalen im Kontext bundesdeutscher Außenpolitik. Erich Mende im Gespräch mit Reinhard Hübsch, in: Reinhard Hübsch/Jürgen Frölich (Hg.), Deutsch-deutscher Liberalismus im Kalten Krieg. Zur Deutschlandpolitik der Liberalen 1945–1970, 1997, S. 118–139.
Die Kabinettsprotokolle der Bundesregierung, hg. für das Bundesarchiv v. Hartmut Weber, Bde. 16–19, 2006–2009. (Onlineressource 1.·Kabinett Erhard) (Onlineressource 2.·Kabinett Erhard)
Volker Stalmann (Bearb.), Die FDP-Fraktion im Deutschen Bundestag. Sitzungsprotokolle 1949–1969, 2017.
Das parlamentarische Immunitätsrecht in der Bundesrepublik Deutschland und ihren Ländern, 1950. (Diss. iur.)
Die F.D.P., Daten, Fakten, Hintergründe, 1972.
Das verdammte Gewissen. Zeuge der Zeit 1921–1945, 1982. (Autobiografie)
Die neue Freiheit. Zeuge der Zeit 1945–1961, 1984. (Autobiografie)
Von Wende zu Wende 1962–1982, 1986. (Autobiografie)
Der Annaberg und das deutsch-polnische Verhältnis, 1991, 21994.
Hermann Otto Bolesch/Ernst Goyke, Erich Mende, 1961, 21965.
Lutz Nickel, Dehler – Maier – Mende. Parteivorsitzende der FDP. Polarisierer, Präsident, Generaldirektor, 2005.
Hans-Heinrich Jansen, Erich Mende (1916–1998), in: Thorsten Oppelland (Hg.), Deutsche Politiker 1949–1969, Bd. 2, 1999, S. 132–142. (P)
Lexikonartikel:
Hans Fenske, Art. „Mende, Erich“, in: Udo Kempf/Hans-Georg Merz (Hg.), Kanzler und Minister 1949–1998. Biographisches Lexikon der deutschen Bundesregierungen, 2001, S. 474–477.
Bruno Jahn, Art. „Mende, Erich“, in: Rudolf Vierhaus/Ludolf Herbst (Hg.), Biographisches Handbuch der Mitglieder des Deutschen Bundestages 1949–2002, Bd. 1, 2002, S. 551 f. (L)
N. N., Art. „Mende, Erich“, in: Bernd Haunfelder, Nordrhein-Westfalen. Land und Leute 1946–2006, 2006, S. 313 f. (L)
Interview mit Erich Mende in der Sendung Panorama v. 1.4.1962, in: ARD Mediathek.
Radio-Interview mit dem neu ernannten Minister Erich Mende, 17.10.1963, in: SR Retro.
Günter Gaus im Gespräch mit Erich Mende, 24.6.1964, in: rbb fernsehen und in: ZDF Mediathek.
Fotografien, Fotobestand des Archivs des Liberalismus, Gummersbach.
Fotografien, Digitales Bildarchiv des Bundesarchivs. (Onlineressource)